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Tuning für E-Bikes?

Unsere Zeit lebt anscheinend von dem olympischen Grundsatz „altius-citius-latius“ und dokumentiert das in vielen – meist unsportlichen – Ansätzen, etwa der optischen zumeist unverständlichen und anstrengenden Bewegungen in der Kameraführung moderner  Filmproduktionen, oder in der meist ebenso unverständlichen schnoddrig-schnellen Aussprache vieler Schauspieler, in der Schnelligkeit und damit zunehmenden Gefährlichkeit des modernen Fussballspiels, immer weiteren Ausflügen in den Weltraum, Gebrauch der großen Autos der SUVS, und was der Beispiele mehr sind.

Heute nun kommt in der Saarbrücker Zeitung ein Artikel zum Thema E-Mobilität zum Abdruck, der den gesetzt-ausgeglichenen Pedelecfahrer aufhorchen, ja aufschreien läßt: Zunehmend verfallen Menschen, denen das klassische Pedelec zu langsam ist (25 km/h) darauf, ihr wahrscheinlich bereits als S-Pedelec gekauftes Rad weiter zu „tunen“,  sodaß man damit mit KFZ-ähnliche Geschwindigkeit über die Straßen, Fusswege und Radwege brettert. Macht Spass, ist ein Kick und wird als völlig harmlos gesehen. Die Nachfrage scheint exorbitant zu sein und wird von einer Nischenindustrie mit Bauteilen zu erschwinglichen Kosten bedient.

Zitat: <<„Die Kunden wollen das“, sagt der Betreiber des Geschäfts, der fast alle der derzeit 24 Tuningprodukte führt und ins In- und Ausland verschickt. Dass die elektrische Unterstützung bei Tempo 25 gedrosselt wird, empfänden viele E-Bikebesitzer wie das Fahren gegen eine Gummiwand, etwas mehr Tempo reiche vielen schon. „Das ist die E-Mobilität, die die Menschen wollen und die funktioniert.“>>

Nun ist das eben nicht E-Mobilität, und natürlich ist solches Verhalten alles andere als harmlos. Denn diese Eingriffe in die Fahrradtechnik ist auf jeden Fall mit Verlust der Eigenschaft dieses Fortbewegungsmittels als Fahrrad verbunden; es ist dann ein Mofa und als solches grundsätzlich von Rad- und Fusswegen verbannt. Es besteht Helmpflicht, und die Kiste muss ordnungsgemäß angemeldet und versichert sein. Alles das scheint auf diese Monster jedoch nicht zuzutreffen, und ihre Fahrer sind Meister der Verschleierung. Unsere Polizei ist eindeutig überfordert, denn was soll sie bei ihren Personalproblemen noch alles kontrollieren?

Dennoch müssen ADFC, ADAC und Verkehrswacht hier ihre Pflicht tun und aufklären, aber auch kontrollieren. Wenn das Überhand nimmt, ist es auf unseren Radwegen nicht mehr angeraten, radzufahren. Das gilt besonders für die älteren Mitbürger, die sich freuen, wieder auf ein „normales“ Pedelec steigen zu können und wieder „normal“ radfahren zu können. Gerade die müssen vor diesen Rowdies geschützt werden, denn ihrer oft eingeschränkten Beweglichkeit, die auf den Pedelecs sonst – entgegen anderen Darstellungen – nicht ins Gewicht fällt, wird bei Begegnungen mit diesen Monstern unweigerlich zu schweren Unfällen führen.

Die andere Gruppe, die in große Gefahr gerät, sind Fussgänger und hier besonders Kinder. Diese sind ähnlich unberechenbar auf ihren kleinen Rädern und oft von ihren Eltern zu weit entfernt, um auf Zuruf reagieren zu können. Ein Zusammenstoß mit schnell fahrenden E-Bikes wäre fatal.

Es besteht also, wenn die Angaben in dem Artikel stimmen, akuter Handlungsbedarf. Olympisches „citius“ ? So nicht, ihr Monster!

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