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Die Saar-Pendlerfrage und das Fahrrad

In der letzten Zeit und auch unter Federführung des ADFC Saarland kommt immer wieder die Frage nach dem Stellenwert des Radfahrens insbesondere für die Fahrt zum Arbeitsplatz auf; die Pendler-Frage also wird thematisiert. Das geschieht in einem Land, indem der Radfahranteil bei etwa 2% des Gesamt-Verkehrsaufkommens liegt (Vergleich BRD 10%).

Man diskutiert diese für Umwelt und Gesundheit gleichermassen wichtige Frage im Umfeld des ÖPNV (7%) und der Auto-Mobilität, die hier bei über 70% liegt und unterstellt, dass nur die so genannte Infrastruktur, also Radwege und Strassenführung – Abstellmöglichkeiten nicht vergessen – für den Durchbruch zum Radfahrerland Saarland nötig sei. Dann, wenn der verkehrsberuhigte Weg zum Arbeitsplatz oder die Bundesstrasse mit Radwegmarkierung nur überall  vorhanden sei, würde jedermann mit dem Rad zur Arbeit fahren. Brave New World.

Welch ein Irrtum. Das Saarland ist Autoland, was auch von der Politik immer wieder öffentlich und immer mit der Arbeitsplatzkeule artikuliert wird. Nun, das mag ja stimmen. Hier besteht die größte Autodichte des ganzen Bundesgebiets, was man täglich an der irrsinnigen Zahl der Staus messen kann. Da läuft es auf re-education, Umerziehung wie damals 1945 hinaus, und es hat damals wenn auch knirschend, geklappt. Wir sind heute wohl doch eher Demokraten…

Nun bin ich der Letzte, der die Notwendigkeit einer guten Fahrrad-Infrastruktur sekundär sehen würde, doch was ist mit dem optimalen Radweg, wenn darauf keiner fährt? Ich glaube, es ist an der Zeit, das Radprojekt gerade für das Saarland neu zu denken. Das Saarland ist hügelig, die Städte sind es eher nicht, doch wie soll der Pendler von St. Ingbert oder Bous ohne Erschöpfung und in einer annehmbaren Zeit zum Arbeitsplatz und zurück kommen?

Das Pedelec wäre die Lösung; es taucht aber in den Verlautbarungen der Offiziellen nicht einmal wortweise auf. Dabei wäre das elektrisch unterstützte Fahrrad, das Pedelec eine optimale Möglichkeit, die der Politik und den Verantwortlichen noch nicht klar geworden zu sein scheint.
Ich meine nicht die aufgetunten E-Bikes vom MTB-Typ oder die S-Pedelecs mit ihren 45km/h Unterstützungsgrenze, sondern das gute alte Pedelec mit seinem 250-Watt-Motor und der 25 km/h-Abregelung. Es gestattet ruhige und fast erholsame Fahrt, und man ist eben nicht erschöpft nach der Ankunft.

Hier sollten seitens der Politik durchaus finanzielle Anreize geschaffen werden. Das Pedelec sollte ein Dienstfahrzeug werden.

Dann würde das Fahren zur Arbeit zum richtigen Spassfahren.